Für Hausbesitzer und Bauherren

Wartung und Kontrolle | Prüfmethoden

Kanalfernsehinspektion

Das Kanalfernsehen mit Videoaufzeichnung und Einmessung der Schadensstelle ist heute eine ausgereifte Technik mit feiner Bildauflösung, die auch problemlose Inspektionen in Grundleitungen ab DN 100 mit kleinen (auch tragbaren) Geräten ermöglicht. Die Kameras können die 87°-Bogen durchfahren, sodass sie von einer Reinigungsöffnung am Ende einer Fallleitung eingefahren werden können. Es gibt bereits Kanalfernsehkameras, die nicht nur vom öffentlichen Kanal aus in Hausanschlussleitungen einfahren, sondern auch im kleinen Rohrbereich der Grundstücksentwässerung DN 100 bis DN 150 von einer Hauptleitung in eine abzweigende Grundleitung einfahren können.

Wasserdichtheitsprüfung

Werden bei einer optischen Inspektion Schäden festgestellt, erübrigt sich eine Wasserdichtheitsprüfung. Ist wegen der Unzugänglichkeit der Grundleitungen keine optische Inspektion möglich,  muss die Grundleitung mit dem einfachen Betriebsdruck (Oberkante tiefster Einlauf) oder die Rückstauebene auf Dichtheit hin geprüft werden. In DIN 1986-30, 4.3 wurde aus Praktikabilitätsgründen für häusliches Abwasser als unterste Grenze für die Wasserdichtheitsprüfung die Oberkante tiefster Entwässerungsgegenstand (oder alternativ die Unterkante der Reinigungsöffnung in der Fallleitung) festgelegt. Hier wurde also bewusst nicht das Aufbringen eines Wasserdrucks bis zum Horizont der Rückstauebene verlangt, um die Leitung nicht durch unnötige Druckbeaufschlagung "undicht zu drücken".

Liegt eine Grundleitung in einem häufig durch Rückstau aus der öffentlichen Kanalisation gefährdeten Gebiet, muss als Prüfhorizont (auch bei häuslichem Abwasser) die tatsächliche Rückstauebene gewählt werden. Bei bestehenden Anlagen müssen Sie während der Druckprüfung dafür sorgen, dass kein Abwasserzulauf (Sperrung der Wasserversorgung) aus der Benutzung der Anlage erfolgt. Mit Bekanntmachung von DIN EN 1610 ist für alle Rohrwerkstoffe einheitlich ein werkstoffneutraler Wasserzugabewert festgelegt worden: 0,15 l/m3.

Die Prüfung auf Wasserdichtheit kann nur mit einem positiven oder negativen Ergebnis enden. Die Schadensstelle kann mit dieser Methode nicht gefunden werden.

Prüfung mit Luft

Die mit DIN EN 1610 eingeführte Möglichkeit einer Prüfung mit Luft schließt sowohl die Luftüberdruck- als auch die Luftunterdruckprüfung (Vakuum) ein und wurde als Option für künftige Alternativen von Dichtheitsprüfungen in der Norm genannt. Voraussetzung für die Unterdruckprüfungen sind neben luftdichten Rohwerkstoffen auch für diese Prüfungen geeignete Verbindungstechniken. Einheitliche Prüfkriterien müssen noch entwickelt werden. In Deutschland hat sich zwischenzeitlich die Prüfung mit Luftüberdruck durchgesetzt. Sie wurde anfänglich aus Sicherheitsgründen und der fehlenden Korrelation mit einer Prüfung mit Wasser abgelehnt, obwohl sie in anderen Ländern wie Österreich und Schweden bereits erfolgreich angewendet wird. Noch nicht durchgesetzt hat sich hingegen die Unterdruckprüfung, bei der ein Differenzdruckverfahren eingesetzt wird (ähnlich der Dichtheitsprüfung von Gashochdruckleitungen). Auch hier handelt es sich um ein noch nicht genormtes Verfahren.

Beide Verfahren haben den Vorteil einer schnelleren Durchführung der Prüfungen, da die Befüll- und Standzeiten der Wassersäule entfallen. Bei der Unterdruckprüfung entfällt die Sicherung von Bogen, und es besteht keine Gefahr durch plötzliches Entspannen der Luft wie bei der Überdruckprüfung (Explosionsgefahr) mit Luft. Nachteilig können sich bei der Unterdruckprüfung einzelne Dichtungsarten auswirken, da Dichtungen in umgekehrter Richtung belastet werden und dieses vor allem bei Lippendichtungen scheinbare Undichtheiten anzeigen könnte.

Leckortung

Für Dichtheitsprüfungen in Abwasserleitungen sind Leckortungsgeräte, die durch Abhorchen von Ausströmgeräuschen akustisch das Leck anzeigen, in der Entwicklung. Die Rohrleitung wird mit Druckluft beaufschlagt und das durch die ausweichende Luft erzeugte Geräusch in ein elektrisches Signal umgewandelt. Solche Verfahren sind aus der Gas- und Wasserversorgung bekannt. Inwieweit sich dieses Verfahren für Abwasserleitungen eignet, muss abgewartet werden.

Kanalspiegelung

Die älteste Methode, um von der Geländeoberfläche aus Ablagerungen, Sandtrieb, Verwurzelungen, Lageabweichungen, Verformungen oder andere Hemmnisse in der Leitung zu erkennen, ist der an einer Halterung angebrachte und bis zur Rohrleitungssohle eingebrachte Kanalspiegel. Die Anwendung ist nur für gerade Rohrleitungen geeignet. Der Kanalspiegel wird unter 45° so vor das Haltungsende gehalten, dass ein ungehinderter Einblick erfolgen kann. Am anderen Ende der geraden Haltung wird in Rohrachse die Beleuchtung eingebracht. So erhält man einen groben Überblick (in Ordnung/nicht in Ordnung) über den Zustand der Leitung, kann jedoch keine genaue Zuordnung des Schadens vornehmen.

Dichtheitsprüfung mit Wasserdruck

Dichtheitsprüfung mit Luftdruck

Leckortung

Kanalspiegelung