Rund um die Kanalisation

Rund um die Kanalisation | Ratten in der Kanalisation

Der Rattenbesuch aus der Kloschüssel ist für viele Menschen ein Horrormärchen. Es spricht Urängste an, findet ab und an seinen Weg in die Schlagzeilen der Boulevardpresse oder steht Pate für Horrorgeschichten oder urbane Legenden. Wer aber tatsächlich glaubt, in der Realität sei so etwas unmöglich, irrt. Sicherlich: Toilettenschüsseln zu erklimmen, zählt nicht gerade zu den Lieblingsbeschäftigungen einer Ratte. Wenn aber ein leckeres Mahl im Abflussrohr lockt, nimmt eine hungrige Ratte schon einmal mehrere Stockwerke Kraxelei in Kauf – und gelangt so auch bis in die Toilettenschüsseln der Menschen.

Schätzungen zufolge kommen in Deutschland auf einen Einwohner etwa vier frei lebende Ratten. Es gibt viele Gründe, weshalb sich Ratten besonders in einer Stadt gut entwickeln können. Der wichtigste ist sicherlich das reichhaltige Nahrungsangebot. Ratten finden achtlos fortgeworfene Lebensmittelreste und machen schnell die Plätze ausfindig, wo Enten oder Tauben gefüttert werden. Sie klettern auch in nicht fest verschlossene Müll- oder Biotonnen und bauen sich in Komposthaufen Nester.

Auch in Lünen freuen sich Ratten über das gute Nahrungsangebot. In den letzten Jahren hat die Rattenpopulation in der Lünener Kanalisation immer weiter zugenommen. Immer häufiger muss die Stadt Experten beauftragen, um den Nagern in den öffentlichen Entwässerungsanlagen mit Rattengift zu Leibe zu rücken.

Was Sie dagegen unternehmen können?

Eine ganze Menge! Am besten ist, sie locken die Tiere erst gar nicht an:

  • Lebensmittel- und Speisereste gehören weder ins Spülbecken noch in die Toilette.
  • Falsch befüllte Komposter sind ein gedeckter Tisch für Ratten.
  • Verpackungen, die im Gelben Sack gesammelt werden, müssen frei von Speiseresten sein. Stellen Sie die Säcke erst am Tag der Abholung an den Straßenrand. Gerüche, bei denen wir die Nase rümpfen, locken Ratten an, und Tüten und Säcke sind für hungrige Ratten kein ernsthaftes Hindernis. In Ständersystemen aus Fachhandel oder Baumarkt hängen auch Gelbe Säcke rattensicher.
  • Was Hunden, Katzen, Hühnern und Schweinen schmeckt, mögen auch Ratten. Bewahren Sie größere Futtermengen nur in fest verschließbaren Behältern auf.
  • Auch Vogelfutter schmeckt Ratten vorzüglich. Achten Sie darauf, wen Sie im Winter durchfüttern.

So bekämpfen Sie Ratten richtig

  • Einzeltiere – besonders im Haus – mit Rattenfallen bekämpfen.
  • Fraßköder mit einem die Blutgerinnung hemmenden Wirkstoff führen zu einem schmerzlosen Tod der Tiere; Artgenossen können nicht gewarnt werden. Derartige Köder dürfen nur vom Fachmann ausgelegt werden.
  • Köder werden an Rattenwechseln, auf Laufwegen und an Kotplätzen beziehungsweise Eingängen zu Rattenbauten ausgelegt. Bei einer Bekämpfung im Freien dürfen nur Köderboxen verwendet werden. Offene Auslegung von Ködern ist gesetzlich verboten, um Mensch und Tier nicht zu gefährden.
  • Solange sie etwas Essbares finden, kehren Ratten immer wieder an die Köderstellen zurück. Die Köder müssen ständig kontrolliert und so lange ergänzt werden, bis nichts mehr gefressen wird.
  • Rattenköder gibt es im Fachhandel in Streu- und Flockenform oder als Granulat. In Kanalschächten kommen meist Köderblöcke zum Einsatz, da sie feuchtigkeitsabweisend sind. Beachten Sie unbedingt Gebrauchsanweisung und Warnungen auf den Verpackungen.
  • Küchenabfälle gehören nicht auf, sondern in den Kompost. Am besten entscheiden Sie sich für einen geschlossenen Komposter.
  • Verschließen Sie während der Bekämpfung alle Öffnungen und potenziellen Schlupflöcher – etwa Abwasserschächte und Leitungen –, um den Ratten das Eindringen in Ihr Gebäude zu erschweren.

Köderreste können Sie in Lünen bei der Gesellschaft für Wertstoff- und Abfallwirtschaft des Kreises Unna (GWA) auf dem Deponiestandort "Brückenkamp" bei einer stationären Schadstoffannahmestation abgeben.
 

Der Rattenfänger von Hameln sollte die Rattenplage der Stadt bekämpfen und lockte die Ratten mit dem Klang seiner Flöte in die Weser, wo sie ertranken. (Bild: Caryad)

Als Haustier von manchem gern gemocht, als ungewünschter Überraschungsgast im heimischen Nutella-Glas nicht gern gesehen: Ratten. (Bild: Werner David, pixelio)

Hier können Sie unsere Informationsbroschüre "Ratten in der Kanalisation" als PDF herunterladen.