SAL – Die Abwasserberater

Regenwasserrückhaltung und -nutzung mittels Zisterne

Ökologisch und ökonomisch
Bei einer Zisterne handelt es sich um einen unterirdischen Wasserspeicher. Niederschlagswasser von befestigten Flächen (Zufahrten, Dachflächen etc.) kann in solche Wasserspeicher geleitet und genutzt werden. Unterschieden wird hier zwischen Nutz- und Retentionszisternen. Retentionszisternen halten bei Starkregen das Wasser zurück und dienen somit zusätzlich als Puffer. Auch kombinierte Systeme stehen zur Verfügung.
Das Niederschlagswasser wird, bevor es in die Zisterne eingeleitet wird, durch einen Filter gereinigt. Das verhindert das Absetzen von Schmutz und die Bildung von unangenehmen Gerüchen in der Zisterne. Über eine Pumpe kann das Wasser entnommen werden, um zum Beispiel Pflanzen und Rasenflächen zu bewässern oder Trinkwasser im Haus einzusparen. Hier kommt das sehr weiche, kalkfreie Niederschlagswasser für die Toilettenspülung und zum Wäschewaschen in Betracht. Wie groß das Einsparpotenzial mit einer solchen Anlage sein kann, zeigt nachfolgendes Rechenbeispiel.

Beispiel:

Ein Haus mit einer Dachfläche von 80 m² und einer Zufahrt von 20 m² leitet das anfallende Niederschlagswasser aktuell in die städtische Kanalisation ein. Nun sollen die Flächen an eine Zisterne angeschlossen werden, um das Niederschlagswasser für die Gartenbewässerung zu nutzen, denn Familie Mustermann verbraucht bisher ca. 25 m³ Trinkwasser pro Jahr aus der städtischen Wasserleitung für die Bewässerung ihres Gartens. Ein Gartenwasserzähler wurde bereits vor einem Jahr installiert.

Welche Zisternengröße ist erforderlich?

Gemäß der Entwässerungssatzung ist bei einer an die Zisterne angeschlossenen Fläche von 100 m² eine Zisternengröße von mindestens 3000 l (entspricht 3 m³) erforderlich. Der Überlauf ist weiterhin an die städtische Kanalisation anzuschließen, damit bei Vollfüllung der Zisterne das Niederschlagswasser nicht zurück in die privaten Leitungen des Gebäudes drückt.

Wie hoch ist die jährliche Einsparung durch den Einbau einer Zisterne?

Bei einer derzeitigen Niederschlagswassergebühr von 1,52 €/m² im Jahr (ändert sich jährlich) fallen für 100 m² angeschlossene Fläche, an die städtische Kanalisation, Kosten von 152 € pro Jahr an. Durch die Inbetriebnahme einer Zisterne werden 80% dieser Kosten eingespart. Das entspricht somit einer jährlichen Ersparnis von 122 € pro Jahr. Dazu kommt die Einsparung des sonst verbrauchten Trinkwassers über den Gartenwasserzähler. Bei einem bisherigen Trinkwasserverbrauch von ca. 25 m³ pro Jahr für die Gartenbewässerung und derzeitigen Trinkwassergebühren in Höhe von 1,58 €/m³ kann somit eine weitere Ersparnis von knapp 40 € pro Jahr erzielt werden.

Sollte der Fall vorliegen, dass noch kein Gartenwasserzähler installiert ist, würde im genannten Beispiel die Schmutzwassergebühr in Höhe von derzeit 2,56 €/m³ pro Jahr, für die genutzten 25 m³, hinzukommen. Somit käme eine weitere Ersparnis von 64 € im Jahr dazu.

Kostenvergleich auf einen Blick:

Jahresgebühr
Ohne Zisterne
Mit Zisterne
Niederschlagswasser-
gebühr
100 m² * 1,52 €/m² =
152,00 €
Verminderung auf
30,40 € (20%)
Trinkwassergebühr
25 m³ * 1,58 €/m³ = 39,50 €
entfällt
Schmutzwassergebühr
25 m³ * 2,56 €/m³ = 64,00 €
entfällt
Gesamtersparnis pro Jahr: 161,10 € oder 225,10 € (inkl. Schmutzwassergebühr)

Welche Art wähle ich – Kunststoff- oder Betonzisterne?

Der Einbau einer Kunststoffzisterne ist einfacher, da die Zisterne deutlich leichter ist. Sie wiegt je nach Größe höchstens 500 kg. Mehrere Personen können eine Kunststoffzisterne händisch einbauen und die Zufahrt braucht keine besondere Befestigung. Die Kosten für einen solchen Einbau liegen bei 100 – 300 € zuzüglich des Baumaterials.

Zum Baumaterial zählt: Zisterne, Anschlüsse, Zubehör und Aufschüttkies.

Eine Kunststoffzisterne mit einem Fassungsvermögen von 1000 l gibt es bereits für 400 €, über 3000 l Zisternen ohne Zubehör (Pumpe, Filter, etc.) für knapp 1300 €. Wer also Aushub und Einbauleistungen in Eigenarbeit erledigt, kann mit geringen Investitionen eine Zisterne nutzen und ein Sparpotenzial von mehr als 100 € jährlich erzielen.

Eine Betonzisterne wiegt mindestens 2 t und hat in der Regel mindestens ein Fassungsvolumen von 4000 l. Die Kosten für den Einbau beginnen bei 800 €. Die Gründe dafür sind der hohe Transportaufwand und die Notwendigkeit eines Krans. Dazu kommen Aufwendungen für die Freilegung und Befestigung der Anfahrtswege und des Abladeplatzes.

Kunststoffzisterne

  • einfacher Transport
  • „Von Hand“ einbaubar (ohne Kran)
  • geringere Einbautiefe (bei Flachtanks)
  • Lebensdauer ca. 25 Jahre

Betonzisterne

  • hohe Stabilität
  • auftriebssicher (bei hohem Grundwasserspiegel)
  • ohne zeitliche Beschränkung

Wie hoch ist der Reinigungsaufwand?

Wenn eine Zisterne fachgerecht eingebaut wurde, ist eine regelmäßige Reinigung nicht notwendig. Die auf der Zisternensohle entstehende Sedimentschicht dient der Wasserfilterung und sollte möglichst nicht entfernt werden. Soll eine Zisterne trotzdem einmal komplett gereinigt werden, kann das mithilfe einer Schmutzwasserpumpe und eines Hochdruckreinigers gut selbst durchgeführt werden. Ein professioneller Reinigungsbetrieb berechnet für eine reine Innenreinigung des Wasserspeichers einer Zisterne ca. 200 – 300 €.

Die Installation einer Zisterne bedarf der Zustimmung des SAL. Dazu ist ein kostenloser Antrag beim SAL in zweifacher Ausfertigung einzureichen. Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zur Ausführung oder Antragstellung haben. Wir stehen Ihnen gerne unter 02306 9104 – 0 zur Verfügung.

Anbei noch 3 Tipps vom SAL:

  • Bedenken Sie bei der Errechnung des Ausgleichs der Investitionskosten für eine Zisterne die steigenden Trinkwassergebühren. Dazu kommen aktuelle Entwicklungen zur Privatisierung der Wasserversorger, die für zukünftige Preisschübe sorgen können.
  • Die Zisternengröße ist kostenbestimmend: Berechnen Sie möglichst exakt, welches Volumen Sie wirklich benötigen!
  • Achten Sie bei Ihrer Betonzisterne auf glatte Innenwände als entscheidendes Qualitätskriterium. Raue oder unebene Wände ermöglichen organischen Stoffen und Bakterien sich am Beton festzusetzen.
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