Starkregen

Starkregenvorsorge -Status Quo

Klimaveränderungen führen zunehmend zu Extremwetterlagen. Immer häufiger kommt es dabei auch zu lokal auftretenden Starkregenereignisse. Diese Ereignisse treten oftmals ohne nennenswerte Vorwarnzeiten auf. Auch der Ort, wo sich das Regenereignis ergießt ist oft erst kurz vorher zu lokalisieren. Das ist nur ein wesentlicher Unterschied zu einem Fluss-Hochwasser (z.B. der Lippe), bei Stunden vorher Vorwarnzeiten bekannt sind und so entsprechende Schutzmaßnahmen getroffen werden können.

Bei den Starkregenereignissen können solche Wassermassen vom Himmel stürzen, dass die städtische Infrastruktur zum Schutz vor Überflutungen (z.B. Deiche, Kanalisation, Rückhaltebecken etc.) diesen Mengen nicht mehr gewachsen ist. In der Fachsprache spricht man dann z.B. von hydraulischen Überlastungen des Kanalnetzes.

Rückblick auf das Jahr 2018

Lünen war im Mai und Juni 2018 gleich zwei Mal von Starkregenereig

nisse betroffen, diese führten in einigen Stadtteilen zu massiven oberflächigen Überflutungen. Zahlreiche

Grundstückestanden unter Wasser und Keller liefen voll (siehe Bild rechts).

Wie oben beschrieben war zum Teil die Kanalisation überlastet, oftmals fehlten an den Gebäuden auch die notwendigen Sicherungsmaßnahmen gegen Rückstau und oberflächiger Überflutung.

Wie können wir uns in Lünen gegen Starkregen schützen?

Aus Sicht des SAL geht das nur gemeinsam. Es ist zu einfach zu sagen, der SAL muss die Kanalisation vergrößern. Der SAL muss die Grundlagen schaffen – wir müssen lokalisieren wo die Probleme in unserem Kanalnetz liegen (z.B. wo Wasser an die Oberfläche tritt) und wir müssen Gefahrenbereiche, die an der Oberfläche liegen (z.B. Senken) bestimmen. Daraus können wir mit der Stadtverwaltung und dem Bürger sinnvolle Maßnahmenpakete bilden, welche am Ende zum Schutz gegen Starkregen beitragen.

Was tut der SAL zum Schutz der Bürger?

Der SAL ist derzeit dabei, sukzessive alle Abwasserkanäle und den oberflächigen Starkregenabfluss im Stadtgebiet zu überprüfen. Hierzu hat der SAL eine Starkregengefahrenkarte für das gesamte Stadtgebiet erstellt. Unter Berücksichtigung der topografischen Geländeverhältnisse wurden Überflutungsbereiche, Wasserstände und Fließwege bei verschiedenen, ausgewählten Starkregenereignissen simuliert. Die Ergebnisse werden durch den SAL wie folgt verwendet:

  • Berücksichtigung beim Betrieb und der Unterhaltung des Kanalnetzes
  • Ableitung von Schwerpunktgebieten zur Festlegung von Präventivmaßahmen
  • Beratung der Grundstückeigentümer zum Thema „Schutz vor Starkregen“
  • Berücksichtigung der Ergebnisse bei Entwässerungsplanungen im öffentlichen Kanalnetz
  • Berücksichtigung der Erkenntnisse bei Baugebieten und Straßenbau

Zudem wird das Kanalnetz des SAL dahingehend überprüft, zu ermitteln bei welchen Regenereignissen Abwasser aus dem Kanalnetz austritt. Die nachfolgenden Bilder zeigen beispielsweise aktuelle Untersuchungen in Lünen Süd. Zudem sind Bilder dargestellt, welche im Rahmen des Starkregenereignisses im Juni 2018 gemacht wurden.

Untersuchungen bei einem 5-jährlichen Ereignis

Ziel dieser Überprüfungen ist die Entwicklung von Vorsorgemaßnahmen zur Starkregenvorsorge. Diese Maßnahmen können in den lokalisierten Bereichen völlig unterschiedlich ausfallen. Mal wird es eine Kanalvergrößerung sein, eine weitere Möglichkeit können bauliche Maßnahmen an der Oberfläche sein (z.B. Bordsteinerhöhung), bei Neubauten können Straßen oder Plätze mit als Rückhaltemöglichkeit genutzt werden und mal wird es notwendig sein, dass der Eigentümer sein Grundstück schützt. Deshalb ist es bei der Starkregenvorsorge notwendig individuelle Lösungen – gemeinsam mit allen Beteiligten – zu finden um bei gewissen Ereignissen einen gewissen Schutz zu gewährleisten und ein kleineres Schadensausmaß zu erreichen.

Aber eines muss uns allen klar sein – wir können uns nicht vor allen Ereignissen schützen. Gegen Extremereignisse, wie sie 2014 Münster erlebt hat, gibt es keinen Schutz. Hier fielen innerhalb von 1,5 Stunden 220 l/m². Der Deutsche Wetterdienst spricht hier von einem Ereignis, welches statistisch gesehen deutlich seltener als einmal in 100 Jahren auftritt.

Was bietet der SAL den Bürgern an?

Beratung zum Rückstauschutz:

Der SAL bietet den Grundstückseigentümern eine kostenlose Beratung zum Thema Rückstausicherheit an. Wir raten den Eigentümer diesen Service zu nutzen, um geeignete Schutzmaßnahmen treffen zu können und zukünftig das Eintreten von Wasser über die Grundstücksanschlussleitung und dadurch entstehende Schäden zu vermeiden.

Eindringen von Wasser durch Rückstau
Oberflächiges Eindringen von Wasser in den Leitungen

Beratung zum Schutz vor Oberflächenüberflutung:

Weiter bieten wir den Grundstückseigentümern kostenlose Auskünfte in Form von grundstücksbezogenen Berichten zum Thema „oberflächiger Abfluss von Niederschlagswasser nach Starkregen“. Der Bericht bietet eine Grobeinschätzung möglicher Risiken bei Starkregen durch oberflächig abfließendes Niederschlagwasser.

Bei Interesse an unserem Angebot, wenden Sie sich bitte unter 02306/9104-0 oder info@sal-abwasser.de an den Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen AöR.

Beachten sie hierzu auch unseren aktuellen Flyer „Wie schütze ich mein Haus vor Starkregen- und Hochwasserfolgen“

Was können Sie tun?

Jede Fläche, auf der das Niederschlagswasser versickert anstatt in den öffentlichen Kanal zu laufen ist bereits ein kleines Stück Überflutungsvorsorge. Daher prüfen Sie, welche Flächen auf Ihrem Grundstück entsiegelt werden können. Das hat dann zusätzlich den Vorteil, dass sie für die entsiegelte Fläche dann keine Niederschlagswassergebühren mehr zahlen müssen.

Auch bei der Planung zukünftiger Flächengestaltungen auf Ihrem Grundstück, ist es ratsam darauf zu achten, dass sich die Versiegelung von Vorgärten, Hofeinfahrten, Zuwegungen ungünstig auswirken kann.

Wir bitten um ihre Mithilfe

Der SAL ist stetig bemüht, seine eigenen Anlagen zu optimieren, um Sie als Bürger/innen größtmöglich vor Schäden durch Starkregen zu schützen. In diesem Zusammenhang ist es für uns wichtig, möglichst viele Erfahrungen und Informationen aus den Starkregenereignissen zu erhalten. Sollten sie im Rahmen solcher Ereignisse Fotos und/oder Videos erstellt haben, wären wir ihnen dankbar, wenn sie uns diese zur Verfügung stellen könnten. Hieraus erhalten wir wichtige Erkenntnisse über Wasserstände und Überflutungsbereiche. Diese Informationen können dann ggf. bei der Ursachenfindung oder Planung von Maßnahmen zur Vorsorge gegen Starkregen helfen. Wir bedanken uns vorab für Ihre Mithilfe.

Fotos und Videos können per Mail an info@sal-abwasser.de gesendet oder beim Stadtbetrieb Abwasserbeseitigung Lünen AöR, Borker Str. 56/58 abgegeben werden.

Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

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Matthias Krölls
Sachgebietsleitung Grundstücksentwässerung, Kanalinformationssystem

matthias.kroells@sal-abwasser.de
+49 2306 9104-241